VDI 2077 Bilanzverfahren - nein danke
VDI 2077 Bilanzverfahren - nein danke
Heizkosten gerecht und ehrlich? VDI 2077/3.5 nein danke!
Heizkosten gerecht und ehrlich?  VDI 2077/3.5 nein danke!

Warum die Verteilung der errechneten Rohrwärmeeinheiten nach VDI 2077/3.5 an Bedingungen gebunden ist und nicht unbedingt nach der Wohnflächenproportion der Nutzer aufgeteilt werden darf, sondern andere Verteilerproportionen der VDI 2077/3.5 zutreffen.

 

Mit der Bestimmung der Erfassungsrate (in %) ermittelt man den Anteil der Rohrwärme am gesamten Wärmeverbrauch des betr. Objekts, aber nur im Rahmen des Verbrauchskostenanteils nach der Heizkostenverordnung.

(Energieverbrauchsanteil mind. 50 % und höchstens 70 %).

Siehe auch das Kapitel >Der Abrechnungsschlüssel<  im zentralen Beitragsregister.

Der Wärmeverbrauch wird in KWh ausgedrückt.

Der Gesamtenergieverbrauch des Objektes in KWh setzt sich zusammen:

Erfasster Wärmeverbrauch (HKV) + errechnete Rohrwärmeabgabe.

Hat man den errechneten Rohrwärmeanteil des Objektes wieder in

KWh-Einheiten umgerechnet, gilt es, diese Rohrwärmeeinheiten gerecht auf die einzelnen Nutzer zu verteilen.

Hier machen es sich einige Vermieter, Verwalter oder auch Messdienste, ob durch mangelnde Kenntnis der VDI 2077/3.5, aus Vermeidung weiterer Detailberechnungen oder was auch immer für Argumente vorgebracht werden, zu einfach. Sie verteilen die gesamten Rohrwärmeeinheiten des Gebäudes entsprechend der Wohnfläche, also gleicher Rohrwärmeanteil pro Quadratmeter.

Dies ist aber auch nur dann gerechtfertigt, wenn alle Nutzereinheiten (meist Wohnungen) gleich viel Rohrwärme empfangen, also mit gleicher Rohrausstattung bestückt sind. Das bedeutet gleiche Rohrgesamtlängen und gleiche Rohrdurchmesser in allen Nutzereinheiten. Gleiche Rohrverhältnisse kommen meist bei Zweirohrheizanlagen in Einheitsbauten vor. In der Richtlinie VDI 2077/3.5 wird dies mit „üblicherweise“ bezeichnet (Abschnitt 6 - Formel 29).

Aber auch bei Zweirohrheizanlagen können unterschiedliche Rohrlängen pro Nutzereinheit mit gleicher Wohnfläche vorkommen, wobei die Rohrdurchmesser aber oftmals gleich sind. Dies ist meist der Fall, wenn die Rohrstränge einer Anlage mit unterer Verteilung in der obersten Etage enden und dort nur noch etwa ein Drittel der Rohrlängen (zu und von den Heizkörpern) installiert sind. Dafür zeigt die Richtlinie mit der Formel 31 den Berechnungsweg auf.

Besonders in den ostdeutschen Plattenbauwohngebäuden kommen häufig Einrohrheizanlagen vor. Diese Anlagen sind fast immer so konzipiert und baulich ausgeführt, dass die Wärme der unisolierten Heizwasserrohre ausdrücklich als zusätzliche Wärmequelle (Rohrwärme) zu den Heizkörpern vorgesehen ist. Zu dieser Konzeption gehören auch die unisolierten und zusätzlichen Steig- und Giebelwandrohre, die jedoch sehr unterschiedliche Durchmesser haben.

(Die in der Richtlinie VDI 2077/3.5 immer wieder genannten Rietschel-Henneberg Heizungsanlagenen kommen in der Praxis (Ostdeutschland) vergleichsweise selten vor).

Diese ostdeutschen Anlagen sind fast immer so konzipiert und baulich ausgeführt, dass die Wärme der unisolierten Heizwasserrohre ausdrücklich als zusätzliche Wärmequelle (Rohrwärme) zu den Heizkörpern vorgesehen ist. Zu dieser Konzeption gehören auch die unisolierten und zusätzlichen Steig- und Giebelwandrohre, die jedoch sehr unterschiedliche Durchmesser haben.

So ist Rohrwärme immer auch Zwangswärme, die allerdings die Nutzer nicht immer zu gleichen Anteilen (Rohrwärmeeinheiten) erhalten. Die meisten dieser Anlagen sind für den Anschluss an Fernwärmenetze bestimmt. Das Besondere dieser Wohnanlagen sind genormte Wohnungsgrößen mit einfach vergleichbaren Quadratmetersummen (Wohnflächen).  

Dabei unterscheidet sich jedoch zum Teil die Ausführung (Rohrinstallation) gleich großer Wohnungen erheblich.

Das bedeutet, die Rohre sind in der Gesamtlänge (alle Längen in einer Nutzereinheit/Wohnung addiert) und im Durchmesser nicht gleich. Damit empfangen die Nutzer gleich großer Wohnungen (Wohnfläche), unterschiedlich viel Rohrwärme.

Berechnet man jedoch über die Wohnfläche, betreibt man auch hier Gleichmacherei, also Pauschalisierung der Rohrwärme, was die Kosten für den unterschiedlichen Rohrwärmeempfang betrifft. Das Prinzip der HeizkörperV „Kosten nach Verbrauch“ wird damit unterlaufen und führt so zu erheblichen Kostenverschiebungen zwischen den Nutzern.

Nachdem dieses Problem erkannt wurde, hat man das Vorabprovisorium VDI 2077/Beiblatt veröffentlicht und durch die jetzt verbindliche Richtlinie VDI 2077/3.5 im Juli 2018 ersetzt. Diese zeigt im Abschnitt 6

-Abrechnung der ermittelten Rohrwärme-,

den Berechnungsweg zum Ausgleich dieser Kostenverzerrungen auf.

So steht im Abschnitt 6 der Richtlinie:

Achtung! Diese Belegstelle aus einer gültigen Originalausgabe der VDI 2077/3.5 ist an einer Position leider sehr undeutlich bzw. fremd. In der Heizungstechnik kennt man den Begriff „Normleistung von Heizkörpern“, aber „Normleistung von Rohrleitungen“ kommt in der Praxis der Heizungstechnik und auch in der Fachliteratur nicht vor und dürfte eine Neuschöpfung für die Richtlinie sein. Es sei denn, es ist ein Fehler und es ist die Nennleistung von Rohren gemeint. Der wissenschaftliche Beleg dafür fehlt in der Richtlinie. Die Suche im Internet, selbst mit unterschiedlichen Begriffsklärungen durch KI-Programme (Google/Ki, CatGPT und Microsoft/bing) waren diese nicht erfolgreich.

Lediglich die in der Heiztechnik bekannten Bezeichnungen Nenndurchmesser von Rohrleitungen DN -Diameter Nominal (Rohrnennweite)“ und „Nenndruckstufe PN (Pressure Nominal)" für Druckrohrleitungen sind bekannt.

Der Text ist aber dennoch als Anleitung für die Berechnung der Verteilerproportionen mit den realen Werten der Nenndurchmesser bestens geeignet.

Diese Auslegung nach Abschnitt 6 bedeutet, dass in den betreffenden Nutzereinheiten die wärmeführenden Rohrleitungen in der Summe der Längen, aber auch bei unterschiedlichen Rohr(innen)durchmessern keinesfalls mit den gleichen Rohrwärmeeinheiten (pro m²) bedacht werden dürfen, was bei einer Verteilung der Rohrwärmeeinheiten nach Fläche der Fall wäre. Vielmehr ist für solche Fälle die Formel 30 anzuwenden.

Die Problematik sollen zwei grafische Beispiele verdeutlichen, auf die schon 2013 im Portal

>VDI 2077-nein-danke.de (Register: Fakten- und Problemcheck/ Zentrales Vorlaufrohr - ZVR)< hingewiesen wurde. Diese grafischen Beispiele sind aus den Daten einer realen Wohnanlage mit 30 Wohneinheiten (Nutzereinheiten). Davon haben 5 Wohneinheiten eine abweichende Heizrohrausstattung durch zusätzliche Wärme abgebende Rohre (alle nicht isoliert und ohne HVK).

Das nächste Bild zeigt den Vergleich gleich großer Nutzereinheiten mit unterschiedlichen Wärmeabstrahlflächen (Abwicklung) der Rohre in Quadratmetern (Rohrumfang multipliziert mit der Gesamtlänge aller Rohre) der Nutzereinheit. Zusätzliche Rohre in gleich großen Giebelwohnungen sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Die zweite Grafik zeigt das Volumenverhältnis oder auch Rohrinhaltsverhältnis alle Rohre gleichgroßer Wohnungen mit und ohne ZVR. Ein mögliches Giebelwandrohr, welches bei solchen Anlagenkonstruktionen meist auch noch vorhanden ist, wurde hierbei noch nicht mitberücksichtigt.

Wird die Volumenproportion in Prozent ausgedrückt, sieht man die Differenzen zwischen Wohnungen gleicher Fläche überdeutlich. Bei den Dreiraumwohnungen in dem Gebäude sind es 241 % und bei den Vierraumwohnungen 199 % gegenüber einer Standardwohnung gleicher Wohnfläche. Beide Vergleiche zeigen die höchst unterschiedlichen Rohrwärmeabgaben für die Wohnungsnutzer.

 

Als Verteilerproportion der vorher ermittelten Gesamtrohrwärme (in Einheiten) ist die Volumenberechnung der verschiedenen Rohre gut geeignet. Zur Berechnung machen es die normierten Rohre und die meist gleichen Rohrlängen in den einzelnen Räumen einer Wohnung sehr einfach, nämlich Π(Pi) · r2 (cm2) · h(cm) = V(cm3).

 

Unterscheiden sich die Heizwasserrohre nur in ihrer Länge, nicht aber in ihrem Durchmesser ist die Formel 31 anzuwenden (siehe auch oben).

Von einer Berechnung über die Abwicklung                       (Rohraußenumfang · Länge) wird abgeraten, da nur eine Normung der Innerdurchmesser besteht und die Materialdicke der Rohre sehr unterschiedlich sein kann.

 

Es ist aber nur eine Wahlentscheidung des Vermieters bzw. der Eigentümergemeinschaft, ob man die Richtlinie VDI 2077/3.5 anwendet. Hat man sich dafür entschieden, ist diese jedoch ohne Kompromisse, Abstriche und Manipulationen anzuwenden.

 

Ing.Ök. Rainer Danneberg                                                                            Januar 2024

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